„Gewalt gegen Frauen – nicht mit uns“ ein Schnupperkurs für Selbstverteidigung

DSC_20160130_0619_01_dr._500x332jpgFrauen können sich wehren.
Unter diesem Titel stand der Schnupperkurs der Ju-Jutsu-Abteilung der TSV-Reinbek.
Der Kurs wurde von Sigi Sobolewski (7. Dan Ju-Jutsu) geleitet.

Was waren die Ziele für die Frauen?
Sigi:
Es ging zunächst einmal darum das Problembewusstsein für Gefahren zu schärfen und sich der eigenen Kräfte bewusst zu werden.
Erst am Schluss dieser Handlungskette sollten dann einfach erlernbare Techniken angeboten werden.

DSC_20160130_0605Für einige Frauen waren bestimmt die Ereignisse zu Silvester ein Kriterium, aber wichtiger schienen alltägliche Situationen, wie unliebsame Mitfahrer in der S-Bahn.

Verteidigungstechniken sind erst die letzte Stufe?

Es geht doch aber darum sich als Frau wehren zu können.
Sigi:
Natürlich müssen Frauen sich wehren. Sie können es ja auch, das haben wir im Kurs festgestellt. Nach und nach wurden sie immer lockerer und stellten fest:
„Sich wehren macht Spaß“ – zumindest im Training.
Mal so richtig mit voller Kraft gegen ein Schlagpolster zu treten und zu spüren, wie viel Kraft man hat, dass stärkt das Selbstbewusstsein.

DSC_20160130_0528Das ist aber auch der erste wichtige Punkt. Selbstbewusst auftreten ohne zu provozieren. Dann natürlich das Umfeld beobachten und auf sein Bauchgefühl hören.
Heldenmut ist da der falsche Ansatz. Auch mal den Blick vom Smartphone nehmen kann verhindern in schwierige Situationen zu kommen.
Lieber einer Situation ausweichen, als in eine tatsächliche Bedrohungslage geraten.

Das sind bis jetzt zwei Stufen, welche gibt es denn noch?
Sigi:
Die Stimme. Man darf das nicht unterschätzen. Die meisten Angreifer sind überrascht wenn sie von einer Frau laut angeschrien werden.
Ein klares „Stopp!!!“ kann das Gegenüber verunsichern und vielleicht werden andere Leute auf einen aufmerksam.

DSC_20160206_0682_v1Soviel zur Theorie, aber gab’s denn auch praktische Übungen?
Sigi:
Natürlich, schließlich muss man ja auch auf die letzte Eskalationsstufe vorbereitet sein. Wichtig ist zunächst ein stabiler Stand.
Dadurch verhindert man das man sich plötzlich auf dem Boden wieder findet. Die einfachste Technik kennt man ja noch aus der Schule.
Ein Schienbeintritt tut höllisch weh und man gewinnt ein paar Sekunden in denen man weglaufen kann.
Auch ein Tritt oder Kniestoß in die Genitalien setzt den Gegner vorübergehend außer Gefecht.
Wir haben das mit Schlagpolstern geübt, damit meine Helfer Andreas und Thomas keinen Schaden nehmen.
Bei einigen Frauen war schon richtig Power dahinter.

Beim zweiten Teil ging es darum Hilfsmittel zu verwenden. Da gibt es ja jetzt einen riesigen Hype um Pfefferspray und Schreckschusspistolen.
Macht das wirklich Sinn?
Sigi:
In meinen Augen sind solche „Hilfsmittel“ nicht wirklich hilfreich.
Zunächst muss man ja auch üben damit umzugehen. Dann muss man sie auch wirklich im Notfall griffbereit haben. Es nützt mir nichts, wenn ich in meiner Handtasche erst nach dem Spray suchen muss.
Schreckschusspistolen sind in sofern sinnlos, da der Angreifer bei Frauen sowieso vermutet, dass es sich nicht um eine scharfe Waffe handelt.
Damit ist dann der Schreckeffekt auch verpufft.

DSC_20160206_0632_v1Und beim Pfefferspray muss man ja auch bedenken, dass es ja man sich damit auch selbst gefährden kann.

Besser sind da Gegenstände, die man sowieso dabei oder sogar griffbereit hat.

Beispielsweise …
Sigi:
Schlüssel, Schirme, Bücher und Zeitschriften.

Zeitschriften?
Sigi:
Ja, eine zusammengerollte Zeitschrift ist ziemlich stabil und kann zur Verstärkung des Schlags verwendet werden.
Und wem einmal ein dickes Buch auf den Kopf gefallen ist, weiss, wie schmerzhaft das ist.
Der Schlüssel eignet sich auch hervorragend zur Verteidigung. Entweder im Bund als Schlag Richtung Gesicht oder als „Stich“-Waffe.

Und wie kam das bei den Teilnehmerinnen an?
Sigi:
Wir haben eine kleine Umfrage gestartet und die meisten fanden den Part mit der Verteidigung mit Hilfe von Alltagsgegenständen am interessantesten.

Was kam den noch als Feedback zurück?
Sigi:
Grundsätzlich fanden alle es wichtig, Situationen durchzuspielen. Auch, dass wir auf Wünsche der Damen eingegangen sind, kam natürlich sehr gut an.
Auch die „Macht der Stimme“ war für die meisten neu. Natürlich fanden es auch alle toll mal richtig zutreten zu können.
Die Atmosphäre im Kurs gefiel den Damen auch sehr gut.

Na dann gibt’s ja bald neue Mitglieder in der Ju-Jutsu-Abteilung.
Sigi:
Tja, die meisten Teilnehmerinnen sind dann doch eher daran interessiert ein Frauen-Selbstverteidigung-Training und kein reguläres Ju-Jutsu-Training zu absolvieren.
Dafür müssten sich aber genug Frauen bei der Geschäftsstelle melden, dann können wir so was auch gerne anbieten.
Nur durch regelmäßiges Training entwickelt man letztendlich die Reflexe, die eine schnelle Reaktion ermöglichen.

Vielen Dank Sigi für das Interview zum Schnuppertraining.

Falls jemand nun Interesse bekommen hat, kann er jederzeit am Dienstag um 20:00 Uhr zum Probetraining vorbei schauen.
Die Ju-Jutsu-Abteilung freut sich über alle neuen Mitglieder.

 

 

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